Liebe

„Ich liebe dich immer noch“: Brief an den Ex

Es war dein Lächeln, als du an mir vorbeigegangen bist. Ich sehe es noch heute vor mir: Deine strahlend weißen Zähnen, die wenigen Sekunden, die du mir in die Augen gesehen hast. Ich weiß noch, welchen Blick mir meine Freundin danach zugeworfen hat. Einen nach dem Motto „Wow, der will’s aber wissen“. Ein kurzer Stromschlag ging durch meinen ganzen Körper. Und das, obwohl ich immer dachte, Liebe auf den ersten Blick ist irgendein Hollywood-Kitsch.

„Für immer dein“

Auch alles, was danach kam, war bilderbuchreif. Ich war so wahnsinnig verschossen in dich, dass ich kaum essen und schlafen konnte. Vor jedem Treffen raste mein Puls. Mir war es egal, dass wir uns nur am Wochenende sehen konnten und jeder Sonntag einen weiteren Abschied bedeutete. Mir war egal, dass du auf Lehrgänge oder Einsätze musstest und wir getrennt waren. Ich hatte nie einen Zweifel an deiner Liebe. Auch nicht, als du mir schon nach zwei Monaten die magischen drei Worte gesagt hast. Ich fühlte sie schon bei unserem ersten Date.

Ein halbes Jahr später zog ich bei dir ein und wir beide hatten nie Bedenken, dass es nicht klappen könnte. Überhaupt war das in vielen Bereichen so: Ich wusste einfach, dass ich mir keine Sorgen machen muss. Vielleicht ist unsere Liebe deshalb auch irgendwann selbstverständlich für mich geworden. Für mich warst du der „Eine“. Mir war klar, dass ich dich heiraten und mit dir Kinder haben will. Zwei mal hast du indirekt um meine Hand angehalten, es aber doch nicht ausgesprochen. Den Ring mit der Gravur „Für immer dein“ habe ich noch.

Es war dein Plan B

Ich hätte fast gesagt, dass der eingravierte Spruch gelogen war, aber nein. Irgendwie stimmt er noch. Es hat sich nur anders angefühlt, als du mir eines Tages gesagt hast, dass du mich nur noch zu 70 Prozent liebst (gibt es dafür eine Formel?) und wegziehen willst. Es war dein Plan B. Und er beinhaltete mich nicht.

Das kam so plötzlich und unerwartet, dass es mir den Boden unter den Füßen wegzog. Bis zu diesem Sommer 2013 wusste ich nicht, wie viele Tränen ich habe. Sie wollten nicht aufhören. Ich habe Nächte nur auf dem Vorleger im Bad verbracht, wollte tagelang überhaupt nicht aufstehen. Ein Leben ohne dich, nach sechs gemeinsamen Jahren, welchen Sinn hätte das? Meine kleine, heile Welt brach vom einen auf den anderen Tag komplett zusammen. Dich ließ es komplett kalt.

Aber warum?

Ich habe erst später erfahren, dass du dich mit Anabolika zugeballert hast und nicht mehr Herr deiner Sinne warst. Dass du Angst davor hattest, beruflich zu scheitern. Angst davor, mir nichts bieten zu können. Aber warum? Das war nie wichtig für mich. Du warst wichtig für mich! Als wir wirklich füreinander hätten da sein sollen, hast du mir keine Chance dazu gegeben und den Schwanz eingezogen. Du hast aufgegeben und bist erst aufgewacht, als ich ausgezogen bin. Nach Monaten des Schweigens, des Ignorierens, der täglichen Hölle.

Ich habe gedacht, ich überlebe das nicht. Der Schmerz war so groß, dass es mich fast zerrissen hat. Ich wusste nicht, was schlimmer ist: Ohne dich sein zu müssen oder zu wissen, dass du unsere Beziehung unwissentlich wegwirfst und es bereuen wirst. Schließlich war uns beiden vom ersten Tag an klar, dass wir füreinander bestimmt sind. „Du warst die eine, du wirst es immer sein“, waren ein paar Wochen später deine Worte. Als du gemerkt hast, dass du mich verloren hast.

Drei Jahre sind seitdem vergangen

Drei Jahre sind seitdem vergangen. Sie waren hart. Inzwischen bist du Papa. Das war noch härter. Ich habe lange gebraucht, um das alles zu verarbeiten. Ich sage bewusst nicht, „um über dich hinwegzukommen“ oder „um dich zu vergessen“. Das will ich gar nicht. Du wirst immer ein Teil von mir sein. Und ich weiß, dass es dir genauso geht. Ansonsten würden wir nicht immer noch jede Woche schreiben oder telefonieren. Wir würden nicht immer noch so viel miteinander teilen, sei es positiv oder negativ.

Ich liebe dich immer noch. Und ich habe auch keine Angst, das zu sagen. Warum? Weil ich weiß, dass du mit „Ich dich auch“ antworten würdest.

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10 Comments
  • Wolfgang Germanus
    Posted at 14:56h, 16 Dezember Antworten

    Alles Schwachsinn ! Bruch bleibt fühl- und sichtbar. Wiederkommen erfordert Aktion.

  • Engel im Einsatz
    Posted at 12:24h, 19 Dezember Antworten

    Diese Gefühle gerade in so einer Situation sind einzigartig und sehr selten. Wer so ein Empfinden hat kann sich glücklich Schätzen, denn es bedeutet nicht nur das er jemanden hat der an ihn glaubt und da ist, sondern das er mit sich selbst zurecht kommt. Diese hier dargestellte wahre Liebe gibt es, nur muss man mit sich selbst klar kommen um das zu erleben. Ich selbst darf diese Situation erleben und bin dankbar dafür, auch wenn es mich manchmal traurig macht.

  • Wolfgang
    Posted at 23:12h, 24 Dezember Antworten

    Naja, ziemlich pupertär vorbei ist vorbei, werdet mal erwachsen. Ex zurück nach aller schmach und gegeseitigen verletzungen, ist wie heisses wasser in eine mit patex geklebte schüssel giessen. Egal wie weh es tut, abhaken und neu starten das ist doch die beste lösung für beide. Den aufgewärmt schmeckt nur grünkohl, eintopf und rosenkohl. Alles eigene erfahrungen. Denkt mal darüber nach.

    • Honestjoe
      Posted at 10:58h, 13 Januar Antworten

      Wolfgang, Du kannst doch Liebe und Gefühl nicht definieren oder in irgendeine Formel gießen! Leid gehört offensichtlich zur Liebe dazu, seit Anbeginn der Zeit!
      Da Du einfach so etwas behauptest, könnte ich im Gegenzug antworten: wer so pragmatisch antwortet und reagiert wie Du hat entweder nie richtig geliebt, hat nie empfunden wie extrem schmerzhaft ein Verlust des Partners und ein Leben ohne ihn sein kann, egal ob nach ein paar Tagen , Jahren oder Jahrzehnten, oder wurde so abgrundtief verletzt und kam so wenig damit klar ,dass nur absolute Verdrängung die einzige Konsequenz als Überlebensstrategie für Ihn sein kann. Und das liest sich dann eben so wie dein Kommentar. Jeder liebt anders!

      • Jay Gr
        Posted at 17:27h, 27 April Antworten

        Lol, ich weiß wie sich Liebe und Trennungsschmerz anfühlt. Und gerade deswegen gebe ich dem Wolfgang recht!!! Ich habe keinen Bock mehr auf solche Torturen und da es unrealistisch ist davon auszugehen die „große Liebe für immer“ zu finden, ist es am besten sich selbst am meisten zu lieben und, soweit man das kann, immer einen gesunde Distanz vom „Partner“ in einer Beziehung zu haben! Wer intensiv liebt, der kann auch intensiv fallen…! Wem die schöne Zeit davor mehr bedeutet, als der Schmerz und das Leid danach, bitte sehr… Ich empfinde es nicht so!

        • Linda
          Posted at 15:53h, 30 April Antworten

          Spannende Diskussion.

          @ Jay Gr: „Wer intensiv liebt, der kann auch intensiv fallen“ – macht genau dieses Risiko nicht Liebe aus? Und kann man wirklich steuern, wie intensiv man liebt?

          • Engel im Einsatz
            Posted at 22:12h, 05 Mai

            Es ist sehr auffällig, das es zwei Typen gibt in der Liebe. Die “bellenden Hunde die nicht beißen “ sind Charaktere die sich mit Reaktionen von verstärkter Selbstliebe, gehemmten Sozialverhalten, Verschwiegenheit und starker Misswilligkeit zeigen, welche gleich zu ihren prominenten Charaktereigenschaften gezählt wird. Und bekanntlich die “Stillen Wasser“, welche Reaktionen wie ausgeprägter Kommunikation, offene Persönlichkeit und ständiger Interaktion zeigen. Man bemerke, das beide Typen genauso viele Vor- und Nachteile besitzen und sie gerade anhand der Reaktionen so unterschiedlich darstellt.. Was aber weniger auffällt ist die Gemeinsamkeit die beide Typen stark verbindet, was den Grund ihres streben beinhaltet. Beide wollen nicht verletzt werden und das Handhaben sie genau auf ihre Art und Weise. Charaktere die mit dem Sinnbild des bellenden Hundes verglichen werden, versuchen wahrlich durch viel Trubel und Lärm von sich abzuweisen, um möglicher Gefahr von Verletzung zu entgehen. Der andere Charakter will durch seine starke Zuwendung der Liebe die Verletzungen Verarbeiten und Vorbeugen. Egal was für ein Typ man auch ist, hat man in der Liebe doch immer mit einen zweiten zutuen.

  • maximilian huber
    Posted at 14:45h, 10 Januar Antworten

    Mal ein freundliches Hi zur Abwechslung ;), eigentlich kommentiere ich keine Posts aber dein Brief an deinen Ex las sich so verdammt ehrlich, tiefgründig und gefühlvoll. Wie viele Frauen können das heute noch? Ehrlichkeit, Anstannt und Liebe gibt es doch für die meisten gar nicht. Sie huren durch die Gassen, ficken Herzen und Köpfe nur um sie am nächsten Morgen Weg zu werden, dass schlimme daran? Wir Typen sind meist nicht besser!

    Warum ich diesen „Roman“ hier verfasse ?
    Weil ich es leid bin! Diese Kommentare, was sollen die? Wer seit Ihr, dass Ihr denkt man könnte Gefühle als „pupertär“ abdanken oder mit Essen vergleichen zu können? Wer gibt euch das Recht so unverschämt über einen Text auszulassen, den eine Frau geschrieben hat die Ihr nicht kennt, die so wie ich das lese immer für Ihren Soldaten da war, ihn nach 3 Jahren vermisst und nie richtig aufgehört hat Ihn zu lieben. Ich selber bin Soldat, ich weiß wie schwer es war über hunderte Kilometer getrennt zu sein, Freitags spät abends da, Sonntags Mittags schon wieder los. Monat für Monat.

    Den letzten Absatz, denn das beste kommt zum Schluss, möchte ich der Person schreiben die mich dazu bewegt hat zu kommentieren – dir !
    Ich finde es, sehr erwachsen von dir zu deinen Gefühlen zu stehen und deinem Kummer Luft zu machen, lieber sich mal alles von der Seele schreiben als alleine alles in sich hinein zu fressen. Ich finde es schon fast süß ( auch wenn Ihr das nicht gerne hört ) wie du Ihm schreibst, wie du dich Ausdrückst und ohne Vorwürfe Ihm entgegen trittst. Den egal wer Du bist, wie Du aussiehst, wo Du herkommst oder wie alt Du bist, ich kenne dich nicht und doch denke ich das du eine charakterstarke Frau bist die immer zu Ihren Gefühlen steht und ein gutes Herz hat – ich kenne das und mag das – und hoffe du hast mittlerweile die Person gefunden die dich liebt, ansonsten Nie aufgeben! 🙄

  • Engel im Einsatz
    Posted at 23:27h, 14 Januar Antworten

    Liebe ist… soviel wie man sich selbst erhofft. Sie ist kein vorgeschriebenes Blatt oder eine Art Gesetz. Einigen geht es auf den Keks das zu hören, aber es klar das Gefühle auch in einer gegensätzlichen Lage geschildert werden. Es ist schließlich das Für und Wieder ( Ying und Yang ), um das sich alles dreht. Was einem an den Punkt unterscheidet, ist das eigene Streben. Das heißt wenn du Wolfgang eine negative Erfahrung mit einem anderen Menschen gemacht hast, dann kommst du besser klar den Kontakt dahin einzuschränken oder abzuwenden. Das geht aber auf den Grund ein, das man auch mit sich selbst in einer gewissen Weise umgeht. Diese eigene Einstellung ist nicht falsch, hat halt nur einen anderen Ausgangspunkt. In dieser Situation vergibst du keiner Ex- Freundin, durch aus da du bei eigenen negativen Punkten schwer nachsichtig bist.
    Für mich gibt es einen anderen Ausgangspunkt, da ich mir eigene Fehler selbst gegenüber vergebe. Liebe ist darauf hin so unterschiedlich zu empfinden. Beispiel hierzu meine ehemalige Freundin hat den Kontakt komplett abgebrochen und Andenken von uns verbannt. Ihr bin ich nicht sauer über diese Reaktion, da ich sie kenne und weis warum sie so handelt. Fakt ist das sie immer noch der selbe empfindsame Mensch ist wie vorher und wenn es bei ihr hart auf hart kommt, kann sie jeder Zeit zu mir kommen um sich auffangen zulassen. Und das beschreibt auch, in gewisser Hinsicht, die hier dargelegte Geschichte.
    In diesem Sinne wünsch ich euch noch ein gut verlaufendes Jahr.

  • Benny
    Posted at 15:08h, 27 Februar Antworten

    Wahnsinn. Worte die mir als Mann tief unter die Haut gehen. Auch Männer leiden> wie Hunde wenn Sie verliebt sind. Ja, ich liebe meine Frau von ganzen Herzen. Leider komme ich nicht mehr an sie heran als der andere in ihr war. Und ja, ich liebe auch meine beiden Kinder einfach nur abgöttisch.

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